Sonntag, 15. September 2013

17. Vier-Hübel-Tour 2013 in Oberwiesenthal

Ort: 09484 Oberwiesenthal
Datum: 25.08.2013
Strecke: Rundkurs über 84 km

Alles sollte so gut werden: das Training passte, die Temperaturen waren anfangs noch verträglich und das Starterfeld mit Topstartern gut gefüllt. Aber alles kam anders...

Am 25.8.2013 stand mal wieder "meine" geliebte Vier-Hübel-Tour zur 17. Auflage an. Die Woche vor der Tour hatte ich Urlaub und verbrachte diesen im Allgäu, genauer gesagt in Bad Oberstdorf, um dort noch ein wenig an meiner guten Nachsommerform zu basteln. Somit sollte einem guten "Rennen" eigentlich nichts im Wege stehen und ich war deutlicher besser als in den vergangenen Jahren auf dieses Event vorbereitet. Somit klingelte wie immer recht früh am Morgen der Wecker. Nach dem Aufstehen kurz das Wetter geprüft, gefrühstückt und mit dem vorgeladenen PKW zum Teamkollegen gefahren. Der Vorteil von meinem PKW-Kombi ist die große Ladefläche, wo man 2 große 29er MTBs mit Umklappen der Rückbank problemlos verstauen kann.
In Oberwiesenthal am Parkplatz nach endlosen und neuerlichen Umleitungen nach ca. 1:10 h Fahrtzeit angekommen. Es sollte sich nebenbei herausstellen, dass wir mit dem PKW länger unterwegs waren als ich bei der anschließenden Tour, leider !
Es war recht kühl am Berg, somit wurden die Startunterlagen zügig geholt und ich verschwand schnell wieder im PKW, um die restliche Zeit bis zum Start in der Wärme zu verbringen. Nach und nach trafen alle bekannten Gesichter ein, man begrüßte sich und quatschte etwas wie üblich. Zu meiner Freude stellte sich dann heraus, dass ich dieses Jahr sogar einen sehr guten Biker zu Seite gestellt bekam, der vorne mitfahren konnte und die Vier-Hübel-Tour bereits 2005 gewinnen konnte. Jens Küllig mit der Startnummer 522 sprang für meinen "Teamchef" ein, der kurzfristig krankheitsbedingt ausgefallen war. Somit sollte einem starken Rennen eigentlich nichts im Wege stehen, da ein paar meiner Teamkollegen und ich wie üblich die Strecke 1 Woche vor der Tour immer nochmal abgefahren waren und man sich besonders kritische Streckenteile und Wege gut einprägen konnte. Leider ist mir da aber ein kleines Missgeschick passiert und ich verfuhr mich, so dass ca. 100 m in einer Waldabfahrt nach dem Bärenstein in meinem Streckenplan fehlten. Dieser fehlende Streckenteil sollte sich dann fatal für mich zur Tour auswirken.

Als wir nun endlich umgezogen waren, ging es rasch zum Marktplatz nach Oberwiesenthal, wo traditionell der Start der Tor erfolgte. Da sich aber bereits 9:30 Uhr soviele Biker an den Start gestellt hatten, beschlossen Jens und ich noch ein paar Runden durch Oberwiesenthal zum Warmfahren zu drehen und uns kurz vor Knapp in die erste Reihe zu stellen. Dies gelang uns auch ca. 5 Minuten vor dem Start ohne großes Murren der anderen Spitzenfahrer, die bereits am Start standen.

Vor dem Start

Als dann 10 Uhr der Start freigegeben wurde, ging die Hatz los. Das Tempo war relativ locker, aber bereits nach dem ersten Pflasteranstieg auf der alten Vierenstr. hatte sich eine 20 Mann große Spitzengruppe gebildet, die bis zum Anstieg des Bärensteins bestand haben sollte. Mit dabei waren die üblichen Verdächtigen wie die Brüder Stark, der Aßmann Guido, die Stein-Biker Strehle und Ortmann, mein Teamkollege Jens, ich und andere starke Mountainbiker. Am Anstieg zum Bärenstein hinaus wurde vorne von den Brüdern Stark das Tempo forciert und eine lange auseinandergezogene Schlange fuhr den Asphaltweg hinauf. Vorne setzten sich ca. 5 Mann leicht ab, ich folgte eingeklemmt an Position 12 und verpasste etwas den Anschluss, holte mir oben aber meinen ersten Punkt ab und düste die Straße hinunter. Beim folgenden Wiesenweg schloss ich dann zu ein paar Vorderleuten auf und sah weiter vorne meinen Teamkollegen Jens. Ihn wollte ich nicht aus den Augen lassen, denn wir hatten gemeinsam noch viel vor. Also nochmal aufs Pedal getreten und mich an Position 7 oder 8 in die gefährliche Waldabfahrt hinunter zum Klappermühlenweg gestürzt. Vor mir fuhr Lars Heinecke von Biker & Boarder, hinter mir Michael Heß vom Race Team Schwarz. Das Tempo war hoch. Als ich dann an die Stelle der Strecke kam, die ich leider im Training ausgelassen hatte, ahnte ich noch nichts Böses. Bereits bei der ersten Querrinne wurde ich leicht mit dem Hinterrad bei meinem 29er Bike ausgehoben, was mich kurz erschreckte. Aber wie es so ist, wenn man ambitioniert ist, erholt man sich von dem Schrecken recht schnell und mit Tunnelblick gehts weiter bergab. Leider erwischte es mich dann genau an der letzten Querrinne ca. 25 m von der Straße entfernt. Ich wurde mit dem Hinterrad ausgehoben und flog in großem Bogen mit dem Rad auf den Waldweg, der noch dazu geschottert war. Nachdem ich wieder leicht zu Sinnen kam, merkte ich schon, dass mit meinem Körper was nicht stimmte. Das Aufstehen gelang mir nicht selbst und meine komplette rechte Seite schmerzte deutlich. Zum Glück standen ein paar Helfer in der Nähe, die gleich erste Hilfe leisteten. Man zog mich schnell von der Piste, da ich noch mitten in der Fahrspur lag. Genau in diesem Moment stürzte ein Fahrer über mein Bike und flog kopfüber in den Wald. Gottseidank passierte ihm außer einer leichten Gehirnerschütterung nichts weiter. Als ich dann neben der Strecke lag, die Bergwacht eintraf und man mich untersuchte, stellte sich dann so langsam bei mir klar, dass da an meinem Körper mehr kaputt war als nur eine Prellung vom Arm oder Schürfwunden an den Beinen.
Die Bergwacht rief umgehend den Krankenwagen, da sie nichts weiter für mich tun konnten. Die Schmerzen wurden von Zeit zu Zeit auch immer stärker, da das Adrenalin langsam nachließ.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kam dann der Krankenwagen und es ging ab nach Annaberg-Buchholz ins Ergebirgsklinikum. Noch am selben Nachmittag wurde ich dann operiert und verbrachte die nächsten 10 Tage zusammen mit weiteren 3 Sturzopfern im Krankenhaus. Diagnose nach dem Sturz: offener Trümmerbruch des rechten Ellenbogens sowie rechter Schlüsselbeinbruch und schwere Prellung der linken Hand.

Im Krankenhaus freundete ich mich dann schnell mit meinen Mitopfern Jens Koch, Mario Tepper und Mike Schubert an. Wir hielten uns die Zeit mit Mountainbikeerlebnissen und Rennberichten recht kurz.

Meine Saison ist damit zu Ende und ich hoffe, dass ich ich nächstes Jahr wieder einsatzbereit bin. Mit der "Vier-Hübel-Tour" habe ich da noch eine Rechnung offen.
Meine Teamkollegen und Freunde sind alle ohne Stürze und recht erfolgreich ins Ziel gekommen, Jens Küllig wurde trotz längerem Defekt am Bike noch starker 9.

Ich bedanke mich nochmal bei allen Ersthelfern, der Bergwacht, dem Krankenhaus Annaberg, dem Organisationsteam und natürlich meinen Teamkollegen und Freunden, die meine Ausrüstung sicher nach Hause gebracht hatten und mich sogleich am Nachmittag noch im Krankenhaus besuchten. Vielen Dank dafür !!!

Man sieht mich spätestens zur 18. Ausgabe der Tour wieder am Start, bis dahin allen Bikern eine sturzfreie Fahrt und immer Kette rechts !!! Ab und zu werde ich nun bei den noch anstehenden Rennen als Zuschauer mal eine andere Sicht auf die Ereignisse nehmen.

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