Am 24.8.2014, fast genau 1 Jahr nach meinem schweren Sturz, stand ich wieder am Start dieser Radtour. Ich wollte nur "gemütlich" die Runde abhübeln, den Wettkampfmodus habe ich mir für dieses Jahr gespart. Dies plane ich im nächsten Jahr wieder.
Der Wecker klingelte in der Frühe, nach kleinem Frühstück mit dem MTB zum Teamkollegen Thomas geradelt und dort in den PKW mit Ziel Oberwiesenthal abgedüst. Wir waren zeitnah an der neuen Anmeldung und mussten knapp 10 Minuten bei widrigen Wetterbedingungen ( 8°C + Nieselregen ) ausharren, ehe wir unsere Tourunterlagen erhielten. Danach mit dem PKW auf den letzten Parkplatz unterhalb des Fichtelbergs hochgefahren und die Teamkollegen begrüßt. Das Wetter war mittlerweile sehr mies, es regnete teilweise in Strömen und das Thermometer im Auto zeigte 4°C an. Nach etwas Plauderei ging es bei nun mehr "trockenen" Verhältnissen ans Umziehen. Lange Sachen waren diesmal bei mir Pflicht und da ich ohnehin einen kleinen Rucksack mit mir führte, konnte ich unterwegs bei Bedarf die störenden Trikots ausziehen.
Auf der Abfahrt vom Parkplatz hinunter zum Start wurde man alleine durch die nicht abgetrocknete Straße bereits von unten nass.
Der Start erfolgte dann pünktlich 10 Uhr und wir 3 ( Thomas, Olaf und ich ) rollten mit dem Feld Richtung Bärenstein gemütlich los. Bereits nach dem Start im Ort sah man die Spitzengruppe so langsam enteilen.
Die Abfahrten ließ ich es langsam angehen, im Hinterkopf noch die Erinnerung ans letzte Jahr. Mein Ziel war der Fichtelberg, nicht mehr und nicht weniger und dies soweit wie möglich zusammen mit meinen beiden Teamkollegen zu erreichen.
Am Anstieg zum Bärenstein kam dann doch noch die Sonne hervor und es wurde sehr warm. Auf dem Hübel angekommen entschloss ich mich, meine langärmligen Sachen in den Rucksack zu verstauen. Meine Teamkollegen rollten inzwischen weiter, wohlwissend, dass ich nach ein paar Kilometern wieder zu ihnen aufschließen werde.
An der Waldabfahrt nach dem Bärenstein kam ich an meiner Sturzstelle in gemäßigtem Tempo vorbei und siehe da, nach der Doppelquerrinne lag bereits wieder ein Radler auf dem Rücken am Rand der Strecke. Sofort kamen Erinnerungen in mir hoch und ich musste mit dem Kopf schütteln, wofür wir Hobbysportler dies immer wieder tun. Auf der Straße kam bereits der Rettungswagen mit Blaulicht entgegen.
Am Plattenanstieg in Königswalde Richtung Pöhlberg traf ich dann auf meine Teamkollegen und wir rollten die nächsten Kilometer dem wartenden 2. Hübel entgegen. An den Anstiegen fuhr ich mein eigenes Tempo, um dann bei der Verpflegung auf meine beiden Begleiter zu warten. Es ist schon erstaunlich, wieviele Sportfreunde man bei "Renntempo" im Mittelfeld überholt, was mir sonst bei meinen Rennen eher weniger passiert.
Nach der kurzen Verpflegung ging es die Asphaltstraße Richtung Feld hinunter und über einen kleinen neuen Streckenteil dem nächsten Hübel entgegen. Wir 3 hielten uns die Zeit mit Faxen, dummen Sprüchen und sonstigen Erheiterungen kurz und ein paar unserer Begleiter in einer größeren Gruppe mussten auch hin und wieder schmunzeln, obwohl denen bei den Anstiegen gar nicht danach war.
Am Fuße des Scheibenberg ankommende wieder das gleiche Spiel wie bisher: ich fuhr aus der Gruppe heraus mein Tempo und wartete oben. Unterwegs kam mir Kumpel Ronny entgegen.
Vom Scheibenberg ging es dann hinunter ins Tal nach Markersbach zum Unterbecken. Von einem enthusiastischen Streckenposten bekam man dort den Rückstand auf die Spitze mit 32 Minuten angegeben und positionsbedingt auf Platz 128 liegend. Gar nicht mal so schlecht, da wir weder Wettkampf- noch gemütliches Trainingstempo anlegten.
Von hieran begann der finale Anstieg zum Oberbecken. An der steilen Rampe im Wald bekam Thomas Krämpfe und er quälte sich Meter um Meter die Piste hoch. Auch machte ihm sein Sturz beim Heavy24 noch einseitig Probleme, sodass er aus unserer Gruppe von ca. 6 Mann herausfiel. Ich lies mich zurückfallen und gab ihm moralische Unterstützung, dass der nächste Verpflegungspunkt nicht mehr weit sei. Dort ankommend gab es den berühmten Haferschleim. Nach rund 5 Minuten Aufenthalt radelten wir weiter zum Oberbecken, einmal fast herum und die lange Abfahrt zum Ephraimhaus hinunter. Thomas flog wortwörtlich die Piste runter, Olaf und ich ließen es gedämpft angehen. Bis zum Ephraimhaus war das Wetter in Ordnung, es schien öfters die Sonne und die Temperaturen waren auch erträglich. Dies sollte sich die nächsten Kilometer ändern.
Wir waren mittlerweile nur noch zu dritt und bei Thomas ließen die Krämpfe nicht nach. Ich verabschiedete mich derweilen nach vorne, um mein gewohntes Tempo bergan durchzuziehen und noch ein wenig auf Platzierungsjagd zu gehen. Thomas und Olaf blieben zurück und hübelten alleine weiter, ich wusste aber, dass Aufgeben bei diesen beiden Langstrecklern nicht in Frage kam und sie sicherlich nicht weit hinter mir ins Ziel kommen würden.
Auf dem langen Weg nach oben rollte ich an so manchem Biker vorbei, der schon auf der letzen Rille unterwegs war und den leichtesten Gang kurbelte. Ich hatte immer noch das große Blatt vorne drauf und konne somit meine gewohnten Züge durchziehen. Am kurzen Flachstück der Rittergrüner Flößbahn merkte ich aber plötzlich, dass die Kräfte aus meinen Beinen entwichen, die nächste Asphaltrampe aber noch bewältigt werden musste. Bereits dort begann dann schleichend ein kleines Leiden. Oben ankommend war ich ziemlich fertig und konnte die kommenden Kilometer der Straße entspannter angehen. Das Wetter war mittlerweile richtig mies, es regnete ziemlich stark.
Den letzten Verpflegungspunkt ignorierte ich gänzlich und rollte die letzte Abfahrt hinunter.
Den Anstieg zur Ziege hoch ließ ich es etwas langsamer angehen, weil meine Beine sowieso nicht mehr richtig mitmachten. Ab da fuhren dann einige der vorher überholten Biker an mir vorbei, was sich obendrein nicht sehr positiv auf meine Motivation auswirkte. Die Kurbelleistung wurde immer unrunter bei mir, selbst den leichten Anstieg über die Rollerbahn hatte ich arg Probleme. Ich schaute mich immer wieder um, aber hinter mir war keiner mehr und dies sollte sich bis ins Ziel auch bewahrheiten. So langsam konnte ich dann auch nicht gewesen sein, mir jedenfalls kam es aber schneckenmäßig vor.
Als dann die Wellenschaukel in Sichtweite kam und die Zuschauerzahl trotz des miesen Wetters zunahm, wollte ich einfach nur noch ins Ziel kommen. Fast stehend k.o. musste ich dann auch noch die letzte Schotterrampe auf das kleine Kettenblatt vorne runterschalten, was ich sonst nie benutze.
Platz 100 nach rund 4:30 h war der Lohn meiner rasanten Zielhatz beginnend ab dem Ephraimhaus.
Kurz nach mir kamen dann bereits Olaf und Thomas ins Ziel, wir ließen uns schnell die Nudeln schmecken, währenddessen die Bergkönige Guido Assmann und Dr. Sebastian Ortmann sowie die Bergkönigin Lisa Schubert ausgezeichnet wurden.
Fix danach ging es zum PKW, Umziehen, Einpacken und nichts wie nach Hause.
Es war wieder eine gelungene Veranstaltung, leider ab diesem Jahr ohne offizielle Ergebnisliste ( ich nehme an, es waren in der Vergangenheit zuviele schwere Stürze ). Ich habe mich aber selbst an die Tastatur gesetzt und eine "inoffizielle" Ergebnisliste aufgestellt, so wie sie bisher immer eingestellt war. Das dieses Jahr "nur" 468 Biker das Ziel erreichten lag weniger an Stürzen, sondern an viel mehr Aufgaben und deutlich weniger als 600 Startern bei den widrigen Wetterbedingungen. Schade eigentlich, denn diese Veranstaltung hat das nicht verdient.
Ich bin nächstes Jahr wieder am Start, dann in zügigerem Tempo und hoffentlich besserem Wetter.